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REVIEWS



Man who was'nt there, The   

Man who was
    
Original: The Man who wasn’t there   (USA, 2001)
Laufzeit: 116 Minuten (PAL)
Studio: BMG
Regie: Joel & Ethan Coen
Darsteller: Billy Bob Thornton, Frances Mcdormand, James Gandolfini, Michael Badalucco, u.v.a.
Format: 1.85:1 Widescreen (16:9)
Ton: DD5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Kommentar, Making of, Deleted Scenes, u.m.
Preis: ca. 25 €
Wertung: 1-/ 2+/ 4 (Bild/Ton/Extras)


"The Supplement which wasn’t there."

Wer an den letzten beiden »Coen«-Filmen (»The big Lebowski«, »O Brother, where art thou?«) die Fülle bizarrer Typen sowie Situationseinfälle geschätzt hat, der muss gedanklich einen Gang zurückschalten, um auch bei »The Man who wasn‘t there« auf seine Kosten zu kommen. Die schrägen komödiantischen Elemente sind der tragischen Geschichte um einen Friseur gewichen, der Ende der 40er Jahre in einer kalifornischen Kleinstadt lebt. Seine Frau betrügt ihn mit ihrem Chef, einem Kaufhausbesitzer, und berufliche Ambitionen hat er längst nicht mehr, so dass ihn die Tristesse des Alltags fest im Würgegriff hat. Als ihm ein windiger Vertreter das Angebot macht, in ein Trockenreinigungsgeschäft einzusteigen, sieht der Barbier seine Chance gekommen. Da er vom Seitensprung seiner Frau weiß, erpresst er anonym ihren Chef um die erforderliche Investitionssumme. Als der jedoch herausfindet, wer hinter dem Drohbrief steckt, kommt es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Kaufhausbesitzer getötet wird. Unter Mordverdacht landet jedoch nicht der Friseur im Gefängnis, sondern seine Frau, da sie für ihren Chef die Bücher frisiert hatte. Im eleganten Gewand des »Film Noir« widmet sich »The Man who wasn’t there« der Konsistenz des amerikanischen Jedermanns. Auf einem scheinbar abgegrasten Feld (der Wunsch des Durchschnittsbürgers nach einem anderen Leben) entfaltet sich nicht nur eine in stimmungsvollen schwarz-weiss-Bildern erzählte Hommage an Vorbilder aus den 40er Jahren, sondern auch eine philosophische Hinterfragung ihres gängigen Hauptfigurtypus. Konsequent steigert sich die Gewöhnlichkeit dieses Jedermanns bis zur Durchsichtigkeit. Er befindet sich zwar im Zentrum der Handlung, existiert quasi aber nicht, da ihn niemand bei seinem schändlichen Tun bemerkt. Ironischerweise wirft man ihm jedoch etwas vor, mit dem er nichts zu tun hat. So entwickelt sich ein tragikomisches Vexierspiel um eine Gesellschaft, in deren festgefügter Welt der Einzelne untergeht.

BILD

Man who was

Was gut ist, soll auch gut bleiben, und so gibt es bei der Bildqualität des anamorphen Transfers wirklich gar nichts zu meckern. In gestochen scharfen Bildern strahlt »The Man who wasn’t there« über die Mattscheibe. Dank der Schwarz-weiß-Bilder besitzt die DVD einen Kontrastlevel, an dem man sich nur laben kann. Selbst das kleinste Zigarettenrauchkräuseln von Billy Bob Thorntons Glimmstengeln ist noch zu erkennen.

TON

Man who was

Was gut ist, soll auch gut bleiben, und so gibt es bei der Unterschiede in der Tonqualität zwischen englischer und deutscher Spur sind nicht vorhanden. Der klare Sound überzeigt auch hier, wobei es in der Natur des Filmes liegt, dass bei der große Dialogpräsenz (klar und deutlich vernehmbar) kaum Suround-Effekte zu bemerken sind. Dennoch vermag der stimmungsvolle Orchesterscore, ein wohliges Kino-Gefühl in die heimische Stube zu zaubern.

EXTRAS

Die Extras der Scheibe geben ein zwiespältiges Bild ab. Der Audiokommentar von Billy Bob Thornton sowie Joel und Ethan Coen ist nur selten genießbar, da sich die Herren fast durchgängig über die Gestaltung der Hauptfigur lustig machen, anstatt wirklich etwas zum Film zu erzählen. Da es außerdem keine deutschen Untertitel gibt, gehen die wenigen Informationen, welche dann doch erfolgen, häufig im Gelächter unter. Hier wäre eine zusätzliche Untertitelung dringend geboten gewesen. Das etwa 45 minütige Interview mit Kameramann Roger Deakins weiß teilweise zu gefallen, wenn er etwas zur ästhetischen Gesamtkonzeption bzw. einzelner Szenen erzählt oder sonst über seine filmischen Vorlieben plaudert. Daneben gleitet die Unterhaltung aber auch in technisch detaliertes Fachsimpeln über Filmtypen, Linsen oder ähnliches ab, was nur noch ein sehr begrenztes Publikum interessieren dürfte. Vor allem auch, weil hier nicht versucht wird, diese Thematik für den Laien aufzubereiten. Die Deleted Scenes sind in der großen Mehrheit ein schlechter Witz. Zum einen hat man das Material wohl wirklich vom Fußboden des Schneideraums aufgehoben – die verdreckte Vorlage lässt keinen anderen Schluss zu – zum anderen verstecken sich hinter vier der fünf Szenen völlig uninteressante Kurzclips von wenigen Sekunden. Dabei handelt es sich um drei Haarschnitttypen und um einen Salat, der auf einen Teller gestellt wird. Einzig das herausgeschnittene Eröffnungsplädoyer, das Anwalt Freddy Riedenschneider anlässlich Ed Cranes Prozesses hält, ist vor dem Hintergrund der Anwaltsfigur interessant. Aber auch hier bleibt zu vermelden, eine Untertitelung wäre auch nicht schlecht gewesen. Daneben wartet die DVD noch mit Filmographien, einer ganz netten Fotogalerie, dem Trailer und zwei TV-Spots auf.

FAZIT

Für die hervorragendes Qualität, in der der stilvolle Film bestaunt werden kann, lohnt sich durchaus die Anschaffung, wenn man den Film unbedingt mehrfach sehen möchte. Dennoch bleibt aufgrund der mickrigen Extras (Anzahl ist eben nicht gleich Qualität) für alle anderen eher der Gang in die Videothek des Vertrauens übrig. Den sollte man aber auf jeden Fall wagen.



Stefan Dabrock